Der geheimgehaltene Traum

Eines Abends schickte der Vater seine zwei Söhne schlafen und sagte: „Achtet auf euren Traum und erzählt ihn mir morgen früh.“
Am nächsten Morgen erzählte der ältere Sohn seinen Traum, der jüngere aber schwieg. Der Vater ärgerte sich und verkaufte den Jungen an einen Soldaten für drei Kopeken, dabei sagte er ihm auch, daß er den Sohn verkaufe, weil ihm dieser seinen Traum nicht erzählt habe.
Der Soldat behielt den Jungen zwei Tage bei sich und sagte dann. „Erzähle mir jetzt deinen Traum!“
Der Junge erwiderte: „Bist du aber klug! Wenn ich ihn dem Vater nicht erzählt habe, da werde ich ihn doch dir nicht erzählen!“
Der Soldat ärgerte sich und verkaufte den Jungen weiter an einen Offizier für drei Rubel, wobei er ihm auch sagte, weswegen ihn dessen Vater verkauft hatte und er ihn nun an den Offizier verkaufe.
Der Offizier behielt den Jungen zwei Wochen bei sich und fragte dann: „Was war das für ein Traum, den du deinem Vater und auch dem Soldaten nicht erzählen wolltest?“
Der Junge entgegnete: „Wenn ich ihn den beiden nicht erzählt habe, dann werde ich ihn auch dir nicht erzählen.“
Der Offizier ärgerte sich und verkaufte den Jungen für dreißig Rubel an einen General.
Der General behielt den Jungen zwei Monate bei sich wie seinen eigenen Sohn und sagte dann: „Sei ein guter Junge und sage mir, was du damals geträumt hast, als dich dein Vater verkauft hat.“
Der Junge entgegnete: „Es wird immer besser! Wenn ich es dem Vater nicht gesagt habe, werde ich es dir erst recht nicht sagen!“
Der General ärgerte sich, verkaufte den Jungen für dreihundert Rubel an den König und sagte dabei: „Der Vater hat ihn an einen Soldaten, der Soldat an einen Offizier und der Offizier an mich verkaufe, weil er ihnen nicht sagen wollte, was er im Traum gesehen hat.“
Der König behielt den Jungen zwei Jahre bei sich und behandelte ihn wie seinen eigenen Sohn.
Dieser König nun hatte eine wunderschöne junge Tochter, die sich sehr in den Jungen verliebte und die der Junge ebenso liebte.
Nach zwei Jahren gab der König ein großes Fest und lud dazu viele hohe Herren ein. Bei der Tafel sprach er zu dem Jungen: „Nun erzähle uns den Traum, dessentwegen dich der Vater verkauft hat.“
„Wenn ich ihn sonst niemandem erzählt habe“, erwiderte der Junge, „Euch werde ich ihn schon gar nicht erzählen.“
Da fiel etwas vom Tisch herunter, und die Königstochter bückte sich, um es aufzuheben, der Junge aber steckte seinen Kopf ebenfalls unter den Tisch und küßte die Königstochter.
Der König sah das, ärgerte sich und ließ den Jungen ins Gefängnis bringen. Dort hätte er sicher sein Ende gefunden, denn wer sollte sich um den armen Kerl kümmern? Doch die Königstochter besuchte ihn heimlich und brachte ihm auch zu essen.
Nun traf es sich, daß auch ein anderer König eine schöne Tochter hatte, die der Bruder unserer Königstochter zur Frau begehrte. Jener Vater aber wollte seine Tochter nur dem geben, der alle Aufgaben lösen würde, die man ihm stellte.
Als nun die Königstochter wieder einmal im Gefängniskeller bei ihrem Liebsten war, erzählte sie: „Ich weiß nicht, was werden soll. Meinem Bruder wurden drei Stöcke geschickt, alle gestrichen und gleich dick, und er soll sagen, wo an ihnen das Stammende und wo das Wipfelende sei. Wer kann das wissen?“
„Oh, das ist eine Kleinigkeit“, sagte der Bursche, „die schweren Aufgaben kommen erst. Laßt diese Stöcke von einer Höhe herunterfallen: Das Stammende ist schwerer und richtet sich nach unten.“
Das wurde auch getan, die Stöcke wurden mit Vermerken versehen – hier das Stammende, dort das Wipfelende – und so zurückgeschickt.
Es stimmte!
Nach einigen Tagen erzählte die Königstochter ihrem Liebsten wieder: „Jetzt wurden uns drei Pferde geschickt, sie sind alle von gleicher Größe und sehen gleich aus, und mein Bruder soll nun sagen, welches das jüngste und welches das älteste Pferd ist. Wer kann das wissen?“
„Oh, das ist leicht“, sagte der Bursche, „die schweren Aufgaben kommen noch. Stellt drei Be-hälter mit Futter hin, und laßt die Pferde an das Futter heran. Das älteste Pferd ist das klügste und wird sofort zu fressen beginnen, das jüngste ist das dümmste und wird das letzte sein.“
Es wurde so gemacht. Drei Behälter wurden hingestellt und die Pferde herausgelassen. Das eine Pferd lief sofort hin und fing an zu fressen, das zweite lief einigemal umher und machte sich dann ans Fressen, das dritte aber lief mehrmals in der Runde, bevor es sich ans Fressen machte. Die Pferde wurden mit entsprechenden Vermerken versehen – dieses ist das älteste und dieses das jüngste – und zurückgesandt. Und es hat alles gestimmt.
Einige Tage vergingen, dann kam die Königstochter wieder zu ihrem Liebsten und sagte: „Zweimal hast du nun geholfen, doch was wird jetzt? Es wurden uns sechs Menschen geschickt, alle gleich gekleidet, und wir müssen sagen, wer Mann und wer Frau ist.“
„Das ist doch eine Kleinigkeit“, sagte der junge Mann, „sie sind alle Braut und Bräutigam. Kocht einen Brei und legt drei Ringe hinein. Wenn der Bräutigam im Brei den Ring findet, gibt er ihn der Braut, und die wird ihn an den Finger stecken.“
Es wurde daraufhin ein Brei gekocht, in drei Schüsseln auf den Tisch gebracht, und die sechs Fremden wurden hineingeschickt; dabei beobachtete man sie unbemerkt von der Seite. Es war zu sehen, wie der eine Esser den Ring vom Löffel nahm, ihn unter dem Tisch reinigte und dem zweiten gab; der steckte ihn an den Finger. Der dritte fand einen Ring, machte es ebenso und gab ihn dem vierten, der fünfte fand auch einen Ring und gab ihn dem sechsten. Die Menschen wurden zurückgeschickt mit dem Hinweis – das ist die Braut und das der Bräutigam –, und alles stimmte.
Da schickte der fremde König die Nachricht: „Der junge Mann hat zwar zu Hause alle Aufgaben gelöst, doch jetzt soll er in die Stadt kommen und sie auch hier lösen!“
Da ging der Königssohn dorthin in die Stadt.
Die Schwester ging wieder zu ihrem Liebsten und sagte: „Bisher hast du ihm wohl geholfen, doch was sollen wir jetzt tun?“
„Halb so schlimm“, erwiderte der junge Mann, „laß mich hier heraus, dann werde ich ihm nachgehen.“
Die Königstochter ließ den Gefangenen heimlich heraus, und er folgte dem Königssohn in die Stadt des fremden Königs. An einer Stelle des Weges stritten sich heftig zwei Männer.
Er trat an sie heran und fragte: „Worüber streitet ihr euch?“
„Unser Vater ist gestorben“, erklärte der eine Mann, „und hat uns eine Decke und einen Hut hinterlassen. Nun will der eine die Sachen für sich und auch der andere für sich haben, und einen richtigen Richter finden wir nicht.“
„Was streitet ihr euch nur wegen solchen Plunders“, sagte der junge Mann, „es nehme der eine ein Stück, der andere das andere, und der Fall ist erledigt.“
„Du weißt ja nicht, was das für ein Hut und was das für eine Decke ist“, erklärte der zweite Fremde. „Wer diesen Hut aufsetzt, den sieht niemand, und wer sich auf diese Decke stellt und sagt: ‚Decke, bring mich in die und die Stadt!’, den bringt die Decke sofort dorthin, wo er gerade sein will.“
„Ich bin ein Fremder“, sagte der junge Mann, „und kann für euch Recht sprechen, wenn ihr damit einverstanden seid.“
„Wir sind einverstanden!“ sagten die beiden.
Der junge Mann nahm einen Stein, warf ihn ins Gebüsch und sagte: „Wer diesen Stein zuerst findet, erhält die Sachen.“
Die Brüder liefen den Stein suchen. Inzwischen setzte der junge Mann den Hut auf, stellte sich auf die Decke und befahl ihr, ihn in die Stadt des Königs zu bringen, dessen Tochter der Sohn seines Königs heiraten wollte.
Die Decke brachte ihn augenblicklich dorthin. Der junge Mann nahm die Decke unter den Arm und ging sich die Stadt ansehen.
In einem Wirtshaus sah er elf Musiker mit sorgenvollen Gesichtern sitzen.
„Was seid ihr so bekümmert?“ fragte er.
„Unser Leiter ist gestorben“, sagten die Musiker, „und nun finden wir keinen anderen Leiter!“
„Ich bin ein Fremder“, sagte der junge Mann, „und wenn ihr wollt, kann ich euer Leiter sein.“
Die Musiker waren damit einverstanden; der junge Mann verbot ihnen dabei, irgend jemandem zu sagen, wer der Leiter sei.
Da wurden sie in das Haus des Königs zum Spielen gerufen und wurden nachher gefragt, wer ihr Leiter sei, damit ihm der Lohn ausgezahlt werde.
„Wir haben keinen“, sagten die Männer.
„Wie denn das?“ wurden sie gefragt. „Einer unter euch muß doch der Leiter sein?“
„Wir sind alle Leiter“, entgegneten die Musiker.
Die anderen aber dachten: Wir werden es durch Schlauheit schon herausbekommen, wer ihr Leiter ist, und riefen die Musiker zum Essen. Auf dem Tisch standen zwölf Teller, vor dem Tisch jedoch gab es nur einen Stuhl. Die Bewirtenden dachten: Der Leiter wird sich auf den Stuhl setzen, die anderen werden stehend essen, und beobachteten sie heimlich.
Doch die Musiker errieten die Absicht. Der erste setzte sich auf den Stuhl, aß einige Zeit, stand dann auf und ließ den nächsten sitzen.
Der zweite, dritte und vierte machten es ebenso, bis zum letzten, so daß der Beobachter nicht erfahren konnte, wer der Leiter war.
Dann wurden sie in eine Stube zum Schlafen geführt, in der es nur ein einziges Bett gab und elf Matten auf dem Fußboden. Sie dachten, der Leiter werde sich ins Bett legen und die anderen werden auf dem Fußboden schlafen. Doch die Musiker machten es ebenso wie beim Essen: Der erste schlief eine Weile im Bett, stand dann auf und schickte den zweiten ins Bett, dieser den dritten und so weiter, bis sie alle durch waren.
So konnte keiner erfahren, wer der Leiter war.
Als nun die Musiker eines Tages wieder im Wirtshaus waren, kam auch der Königssohn dorthin und machte ein sehr trauriges Gesicht.
Er erkannte nicht den jungen Mann, der zu ihm hinging und ein Gespräch begann: „Warum seid Ihr so bekümmert?“
„Was macht’s“, antwortete stolz der Königssohn, „was willst du von mir? Du kannst mir ja doch nicht helfen!“
„Wer weiß“, meinte der junge Mann, „ich kann so manches fertigbringen; Ihr könnt mir wenigstens sagen, was Euch fehlt.“
Der Königssohn überlegte eine Weile und erzählte schließlich dem jungen Mann alles: „Ich soll morgen früh der Königstochter ein Paar ebensolcher Schuhe bringen, wie die sind, die sie anziehen wird. Aber woher soll ich wissen, ob sie rote oder bunte anziehen wird? Und wenn die Schuhe nicht ganz genau die gleichen sind, verliere ich meinen Kopf.“
„Befürchtet das nicht“, sagte der junge Mann. „Aus dieser Not kann ich Euch heraushelfen: Zwischendurch bin ich auch mal Schuster. Was versprecht Ihr mir dafür, wenn ich Euch morgen früh genau solche Schuhe bringe, wie sie die Königstochter tragen wird?“
„Was ich dafür verspreche? Ich weiß nicht, was ich versprechen soll. Was wollt Ihr haben?“
„Schreibt einen Brief, daß die Hälfte des Königreichs Eures Vaters mir gehören wird.“
Der Königssohn überlegte: Es ist besser, ich verliere das halbe Königreich als den Kopf, und schrieb den Brief.
Der junge Mann ging hinaus, setzte den bewußten Hut auf, der ihn unsichtbar machte, und ging zum Königsschloß. Dort angelangt, sah er einen Schuster-Juden herauskommen und in einen Lederladen hineingehen. Er folgte ihm nach. Der Jude kaufte verschiedenes Leder, der junge Mann nahm nachher die gleiche Menge und vom selben Leder (es hat ja niemand gesehen, was er genommen hat).
Von dort ging der Jude nach Hause, gab das Leder den Gesellen und sagte: „Es sollen bis morgen früh Schuhe fertig sein, die so und so aussehen müssen“, und legte sich schlafen.
Auch der junge Mann legte sich so lange schlafen, bis die Gesellen die Schuhe fertig hatten und ebenfalls schlafen gingen. Dann nahm der junge Mann die Schuhe und legte statt ihrer das Leder hin. Danach kniff er dem alten Juden in die Nase. Der alte Mann wachte auf und ging nachsehen, ob die Schuhe fertig seien. Die Gesellen schliefen, und das Leder lag unberührt auf dem Tisch. Der alte Mann nahm wütend die Elle und begann die Gesellen zu verdreschen.
„Ihr Faulpelze legt euch schlafen und wollt nicht arbeiten, und morgen früh erwartet die Königstochter ihre Schuhe!“
Die Gesellen entschuldigten sich wohl, daß die Schuhe fertig seien, doch was half es, das Leder lag unberührt auf dem Tisch!
„Daß ihr mir jetzt die Schuhe rechtzeitig fertig macht!“ herrschte sie der alte Jude an, und die Gesellen mußten sich erneut an die Arbeit machen.
Der junge Mann aber ging mit den fertigen Schuhen zum Königssohn und sagte: „Schaut her, genau solche Schuhe wird die Königstochter morgen tragen!“
Der Königssohn nahm die Schuhe und ging ins Schloß. Die Königstochter kam heraus und hatte neue Schuhe an; der Königssohn stellte seine daneben: Die einen sahen wie die anderen aus.
Später kam der Königssohn wieder ins Wirtshaus und war auch diesmal sorgenvoll.
„Nun, warum seid Ihr jetzt wieder sorgenvoll“, fragte der junge Mann. „Waren die Schuhe nicht die gleichen?“
„Es waren schon die richtigen Schuhe“, erwiderte der Königssohn, „doch was habe ich davon? Ich werde morgen meinen Kopf doch verlieren: Denn wie soll ich morgen ein ebensolches Kleid bringen, wie es die Königstochter tragen wird?“
„Oh, das ist eine Kleinigkeit“, sagte der junge Mann. „Zuweilen bin ich auch Schneider; was versprecht Ihr mir, wenn ich Euch ein solches Kleid bringe?“
„Was soll ich denn versprechen? Was willst du selbst haben?“
„Schreibt einen Brief, daß auch die zweite Hälfte des Königreiches Eures Vaters mir vererbt wird.“
Der Königssohn überlegte: Lieber verliere ich auch das andere halbe Königreich als meinen Kopf, und er schrieb den Brief.
Der junge Mann setzte wieder den Hut auf, damit ihn keiner sieht, und ging zum Königsschloß. Aus dem Schloß kam eine Näherin heraus und ging eilig in einen Laden, wo sie verschiedenen Stoff einkaufte. Der junge Mann nahm die gleiche Menge und vom selben Stoff an sich und ging der Näherin nach bis in ihre Wohnung.
Die Näherin gab den Stoff den Mamsellen und erklärte: „Es muß ein Kleid bis morgen früh fertig sein, das so und so aussehen soll“, und sie legte sich schlafen.
Die Mamsellen gingen an die Arbeit, nähten das Kleid fertig und legten sich schlafen. Da nahm der junge Mann das Kleid, wickelte es zusammen, legte an seiner Stelle die Stoffe hin und weckte die Näherin. Die sah, daß der Stoff noch unberührt war, und ging mit Nägeln und mit Zähnen auf die Mamsellen los. Der junge Mann kratzte unbemerkt auch die Näherin selbst, die nun dachte, daß die Mamsellen sich widersetzten, und einen höllischen Krach machte.
Später, als sie müde wurde, brüllte sie: „Seht zu, daß das Kleid rechtzeitig fertig wird, wenn ihr zu faul gewesen seid, früher anzufangen!“
Der junge Mann brachte das Kleid dem Königssohn und sagte: „In genau solchem Kleid kommt die Königstochter morgen heraus.“
Der Königssohn nahm das Kleid, ging ins Schloß und legte es neben das der Königstochter: Sie waren völlig gleich.
Später kam der Königssohn erneut ins Wirtshaus und wieder mit sorgenvoller Miene.
„Warum seid Ihr nun wieder so sorgenvoll“, fragte der junge Mann, „war das Kleid nicht das richtige?“
„Das Kleid stimmte schon“, antwortete der Königssohn, „doch was habe ich von der Hilfe, morgen muß ich meinen Kopf doch verlieren! Denn bis morgen muß ich einen Vogel fangen, der ebenso ist, wie ihn die Königstochter haben wird; woher soll ich wissen, ob sie einen Spatzen oder eine Krähe oder aber einen anderen Vogel nehmen wird?“
„Das ist eine Kleinigkeit“, sagte der junge Mann, „ich bin zuweilen auch Jäger und kann einen solchen Vogel bringen, doch was gebt Ihr mir dafür?“
„Was soll ich dir noch geben“, erwiderte der Königssohn ärgerlich, „beide Teile des Königreiches habe ich dir doch schon versprochen!“
„Nun, du hast zu Hause noch eine Schwester, verschreibe sie mir auch!“
Das zu tun, war für den Königssohn eine Kleinigkeit.
Der junge Mann setzte wieder den Hut auf und ging zum Schloß. Da kam die Königstochter heraus und ging zum Meer baden. Nach dem Baden befahl sie dem Badehauswächter, eine weiße Gans zu fangen, und sagte dann zu dem alten Mann: „Du bist ein alter Mann, wer weiß, ob ich dich noch sehen werde, gib mir ein Büschel von deinem Haar.“
Die Königstochter riß dem alten Mann ein Büschel Haare aus, der junge Mann riß ihm ebenfalls ein Büschel aus, dann ging er und fing eine ebensolche Gans, wie sie die Königstochter hatte, band ihr das Haarbüschel des alten Mannes auf den Kopf und brachte diese dem Königssohn.
Am nächsten Morgen, als der Königssohn ins Schloß trat, kam die Königstochter aus ihrer Kammer heraus, und hinter ihr ging die Gans mit dem Haarbüschel des Alten auf dem Kopf. Der Königssohn nahm seinen Vogel aus dem Korb – genau die gleiche Gans mit dem Haarbüschel des Alten auf dem Kopf.
Nun war der König mit seinem Schwiegersohn zufrieden, und es wurde die Hochzeit gefeiert.
Der junge Mann aber stellte sich auf seine Dekke und sagte: „Bring mich wieder zurück ins Gefängnis!“
Die Decke trug ihn dorthin.
Während der Hochzeit wurden viele Gefangene freigelassen, darunter auch unser junger Mann.
Sowie er aus dem Gefängnis herauskam, ging er in seiner zerlumpten Kleidung zum König. Der Türwächter wollte ihn nicht hineinlassen, doch er ging gewaltsam direkt bis zur Tafel des Königs, legte dem König seine Schreiben vor und sagte: „Schau, die eine Hälfte deines Reiches gehört mir, die andere Hälfte gehört mir, und auch deine Tochter gehört mir.“
Der König wurde böse und schrie ihn an: „Wo hast du diese Schreiben her?“
„Dein Sohn hat sie mir gegeben!“
Der König fragte seinen Sohn, und dieser antwortete: „Es stimmt, ich habe sie ihm gegeben, denn sonst hätte ich meinen Kopf verloren!“
Nun konnte der König nichts mehr ändern, er nahm den jungen Mann als seinen Schwiegersohn auf und machte ihn zum König. Den eigenen Sohn schickte er zu seinem Schwiegervater, um dort das Reich zu regieren.
Und alles das hatte der Junge im Traum vorausgesehen. Hätte er aber seinen Traum den andern erzählt, würde er nichts bekommen haben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


drei − 1 =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>