Wie der Schweinehirt zum Schwiegersohn des Königs wurde

Es lebte einst ein Witwer, der von seiner ersten Frau einen Sohn hatte, den Ants. Ants hatte das Alter eines Hirtenjungen erreicht, als die Mutter starb, und er hütete damals die Dorfherde.
In der Herde gab es einen großen weißen Stier. Diesen Stier hatte der Junge sehr gern, und sie wurden bald zu richtigen Freunden, so daß der Junge jeden Morgen die Hälfte seines Brotkantens dem Stier gab.
Bald nahm der Vater eine neue Frau, und da wurde das Leben für Ants viel schlechter als vorher. Die Stiefmutter konnte den Jungen überhaupt nicht leiden. Schließlich bat sie den Mann, Ants zu töten, und bedrängte ihn jeden Tag mit ein und demselben Wunsch – töte und töte den Jungen!
Der Junge hütete weiter die Herde und gab jeden Tag seinen Brotkanten dem Stier.
Einmal sagte der Stier zu dem Jungen, daß man ihn töten wolle. Er versprach ihm auch zu sagen, an welchem Tage es geschehen sollte.
Der Schlafplatz des Jungen war auf der Ofenbank. Eines Abends gab der Junge dem Stier zu fressen, und der Stier sagte, daß er heute abend getötet werden sollte.
„Geh und hole von draußen ein Birkenscheit und lege es auf deine Schlafstelle, aus dem Schuppen hole eine Butterbütte und lege sie auf die Kopfstelle, dann breite deinen Rock darüber, selbst aber ziehe bessere Kleider an und komm zu mir in die Darre. Dann werden wir von hier aus sehen, wie sie aus der Kammer kommen, der Vater mit einem großen Beil und die Mutter mit einer Kerze: Wenn der Vater mit dem Beil auf die Stelle schlägt, wo du geschlafen hast, um dich zu töten, dann fällt er gleich selbst herunter, wir aber machen uns dann schnell davon.“
Der Junge tat alles, wie es ihm der Stier aufgetragen hatte, und ging dann zu diesem in die Darre. Und alles geschah haargenau so, wie es der Stier gesagt hatte. Der Vater schlug mit dem Beil zu und fiel gleich selbst herunter, während die Mutter mit dem Licht danebenstand.
Der Junge und der Stier flüchteten in einen Wald und schweiften dort umher, bis sie am Ende zu einem Moor kamen, wo die Wölfe heulten.
Da sagte der Stier zum Jungen: „Nimm von meiner rechten Seite das Horn ab, trage dieses Horn stets bei dir, geh dann in die Königsstadt, und alles, was du wünschst, wird dir das Horn stets erfüllen, du brauchst nur zu sagen: ‚Horn, o Hörn, erfülle meinen Wunsch!’ oder ‚Mache dies oder jenes!’“
Also ging Ants in die Königsstadt; er wanderte in der Stadt umher und kam auch zum Königsschloß. Dort begegnete ihm ein Königsdiener und bestellte ihn zum Schweinehirten. Ants nahm das Angebot an und wurde Schweinehirt des Königs.
Im Sommer ging Ants mit den Schweinen in den Wald, im Winter schleppte er mit dem Schlitten Wasser heran und bereitete für die Schweine das Fressen. Zu guter Letzt wurde ihm diese Tätigkeit zu langweilig und zu schwer, und da erinnerte er sich plötzlich, daß der Stier ihm sein Horn gegeben hatte und daß er es dann gebrauchen sollte, wenn er sich etwas wünschte.
Er füllte den Kübel und sagte: „Horn, o Horn, mache, daß dieser Kübel selbst zur Küche geht und mich dabei mitnimmt!“
Der Kübel setzte sich in Bewegung. Ants springt auf den Schlitten und fährt mit dem Kübel zusammen zur Küche.
Die Königstochter schaut aus dem Fenster und sagt: „Sieh einer an, was unser Schweine-Ants macht! Der Kübel ist voller Wasser, selbst sitzt er auch noch auf dem Schlitten, und der Kübel kommt von allein in die Küche.“
Ants sah, daß ihm die Königstochter aus dem Fenster zuschaute, wie er mit dem Schlitten fuhr; er wollte es nicht haben und sagte: „Horn, o Horn, mache, daß die Königstochter in einem Jahr einen Zeitvertreib hat!“
Ein Jahr vergeht, und der Königstochter wird ein Sohn geboren. Er wird großgezogen, er ist sehr hübsch, doch niemand weiß, wer der Vater ist. Die Königstochter sagt auch nichts. Es werden alle möglichen Männer, die im Schloß wohnen, ausgefragt, und dennoch erfährt man es nicht, wer der Vater des Kindes ist.
Es verging einige Zeit, und der Sohn der Königstochter wurde vier Jahre alt. Der König dachte, daß der Junge jetzt schon selbst seinen Vater erkennen würde. Es wurde ihm ein goldener Apfel gegeben, und wem er diesen Apfel reichte, der mußte der Vater sein. Also ließ man alle Männer, die in der Umgebung des Schlosses lebten, hereinkommen, um zu sehen, wem er den Apfel anbieten würde. Doch der Junge bot den Apfel keinem an.
Schließlich wurde der König sehr böse, weil er auf keine Weise erfahren konnte, wer der Vater des Kindes sei. Zuletzt sagte er wütend: „Ruft auch noch den Schweine-Ants herein!“
Ants kommt durch die Tür herein, und der Sohn der Königstochter läuft ihm entgegen und sagt: „Papa, nimm den goldenen Apfel!“
Die Laune des Königs wird noch schlechter als vorher, weil der Schweinehirt sein Schwiegersohn ist. Er läßt seine Tochter zusammen mit dem Schweinehirten auf ein Schiff bringen, ihnen etwas Mundvorrat geben und sie aufs Meer hinaus-schieben.
Ants segelt eine Weile auf dem Meer umher und sagt schließlich: „Horn, o Horn, mache, daß das Schiff verschwindet, daß statt seiner eine Insel entsteht mit einem schönen Schloß darauf und ich darinnen wohne als Beherrscher der Insel!“
Es geschah alles so, wie es Ants sich wünschte. Das Schiff zerfiel, und an seiner Stelle entstand eine Insel; Ants lebte in einem schönen Schloß und herrschte über die ganze Insel.
Nach einiger Zeit entdeckten Seefahrer diese Insel und brachten dem König die Kunde, daß sie eine Insel gefunden haben; auf der Insel leben viele Menschen, und sie haben einen Herrscher.
Der König hörte es und freute sich, daß sein Reich wieder größer geworden war, und fuhr schnell hin, um die Insel zu besuchen. Er fand dort seine Tochter und seinen ehemaligen Schweine-Ants, der jetzt Herrscher der Insel war. Der König vertrug sich mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn, dem Schweine-Ants, sie wurden zu großen Freunden und besuchten sich oft.

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